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Wie können Landschildkröten in diesem milden Winter überwintern ?

Überwinterung von Landschildkröten bei mildem Winter

Der Winter bietet keine idealen Überwinterungsbedingungen für Landschildkröten (und natürlich auch für alle anderen wechselwarmen Tiere). Nun war bereits der vergangene Sommer 2011 nicht ideal für die Freilandhaltung, da kommt jetzt auch noch ein ungewöhnlicher Winter.

Zur Erinnerung: der Sommer war nicht wirklich heiß – aus Schildkrötensicht durchschnittlich zu kühl – und dafür hat es sehr häufig geregnet. Fazit: kühl, regnerisch mit wenig Sonneneinstrahlung. Die Tiere haben sich somit vergleichsweise wenig „Winterreserven“ zulegen können. Auch im Herbst war es kühl und regnerisch: Zum Fressen zu kalt und zum Schlafen zu warm und dann noch der unendlich andauernde Regen.

 

Milde Temperaturen im Winter 2011 / 2012

Temperaturen im Winter - November / Dezember 2011 in Berlin (Tegel); Quelle: www.wetterkontor.de

Temperaturen im Winter - November / Dezember 2011 in Berlin (Tegel); Quelle: www.wetterkontor.de

Und nun der Winter: In der ersten Hälfte ist der Winter nahezu komplett ausgefallen. Temperaturen zwischen 0 und 10 °C und vergleichsweise „sonnige“ Tage. Für die Überwinterung im Haus bedeutet das, dass die „Raum“-Temperaturen am Tage oftmals oberhalb 8 °C lagen (und auch noch die Sonne schien). Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Die Tiere kamen nicht zu Ruhe. Ihr Stoffwechsel war aktiver als er eigentlich sein sollte. Im ungünstigsten Fall würden die Tiere zwar nicht gleich verhungern, jedoch letztendlich verdursten.

Übrigens reagieren die Landschildkröten nicht nur auf steigende oder fallende Temperaturen. Sie „spüren“ im Frühjahr auch, dass draußen die Sonne scheint, ohne sie zu sehen!

 

Zur Kontrolle ist es daher in diesem Winter besonders wichtig, ein Protokoll zu führen und die Überwinterungsbehälter regelmäßig zu wiegen. Die Faustregel besagt, dass man bei einem Gewichtsverlust ab 5 Prozent das Tier wieder auswintern sollte. Wird sogar ein Gewichtsverlust von 10 Prozent und mehr festgestellt, ist es empfehlenswert mit dem Tier zum Tierarzt zu gehen.

Grundsätzlich wachen die Landschildkröten auf, wenn ihnen die Fettreserven ausgehen. Spätestens in diesem Fall sollte das Aufwachen bemerkt werden und das Tier ausgewintert werden.

Wir haben unsere Tiere nicht – wie viele Liebhaber von Landschildkröten – im Kühlschrank zur Überwinterung untergebracht. Daher waren wir Ende Januar kurz davor, alle Tiere komplett aus ihrer Winterruhe zu holen. Wir sind davon ausgegangen, dass der Winter in diesem Jahr ausgefallen ist und nun auch gar kein „richtiger“ Winter mehr kommen wird.

… Das war natürlich falsch. Glücklicherweise ruhen unsere Tiere nun noch…

 

Tiefe Temperaturen im Winter 2011 / 2012

Temperaturen im Winter – Januar / Februar 2012 in Berlin (Tegel); Quelle: www.wetterkontor.de

Temperaturen im Winter – Januar / Februar 2012 in Berlin (Tegel); Quelle: www.wetterkontor.de

Überraschender Weise sind die Temperaturen im Februar ruckartig gesunken (siehe Grafik). Wir sind (aus Sicht der Landschildkröten) froh. Doch wer seine Tiere im Freiland überwintert, sollte jetzt jedoch bei Temperaturen von bis zu -20 °C (und das mitten in Berlin) besonders auf seine Tiere achten. Überwinterungstemperaturen unter 0 °C sind für die Tiere tödlich. Das bedeutet auch im Freiland sollten die Tiere eine frostfreie (!) Umgebungstemperatur von ca. 4 bis 6 °C besitzen. Eventuell sind die Schutzvorrichtungen (vor Kälte) zu erhöhen.

 

Dauer der Winterruhe

Die “normale” Winterruhe ist natürlich für einige Landschildkröten jetzt bereits eigentlich vorbei. Im milden Winter wurden sie von uns in Winterruhe „geschickt“ und jetzt bei strengem Winter und Frost sollten die Tiere wieder ausgewintert werden. Insgesamt sind mindestens 3 bis 4 Monate Winterruhe für alle Landschildkröten zu empfehlen. Eine Winterruhe von bis zu 5 Monaten ist möglich bei Testudo boettgeri oder Testudo marginata. Noch längere Winterphasen ist die Steppenschildkröte (horsfieldi) „gewohnt“. Sie verträgt sogar bis zu 8 Monate
Winterruhe. Etwas empfindlicher sind hingegen Testudo hermanni und hercegovinensis. Hier sollte die Ruhephase im Winter kaum über die besagten 3 bis 4 Monate hinausgehen.

 

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